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Hotel Pool

Hotel überbucht: Und nun?

28.07.2016

Rechtsfrage des Tages:

Unsere Nachbarn sind gerade aus dem Urlaub zurückgekommen. Da ihr Hotel überbucht war, mussten sie in ein anderes Hotel umziehen. Das hätte ich mir ja nicht gefallen lassen. Welche Rechte habe ich, wenn ich im gebuchten Hotel kein Zimmer mehr bekomme?

Antwort:

Eine Reise sollten Sie sorgfältig planen. Entscheiden Sie sich für einen Hotelurlaub, spielt die Auswahl des richtigen Hotels eine wichtige Rolle. Vielleicht wünschen Sie sich ausgedehnte Sportanlagen mit Tennisplätzen und Minigolf? Oder Sie legen Wert darauf, dass der Strand gleich vor der Tür ist? Dann ist es besonders ärgerlich, wenn Ihre Urlaubsträume wegen Überbuchung des Hotels platzen. Leider kommt dies immer wieder vor.

Meist erhalten Sie dann schnell das Angebot, in ein anderes Hotel einzuchecken. Aber müssen Sie dieses Angebot annehmen? Steht schon vor Ihrem Reiseantritt fest, dass in Ihrem Wunschhotel keine Zimmer frei sein werden, muss der Reiseveranstalter Sie umgehend informieren. So können Sie noch zu Hause entscheiden, ob Sie die Reise trotzdem antreten möchten. Ist das nicht der Fall, können Sie vom Vertrag zurücktreten. Geleistete Anzahlungen muss der Reiseveranstalter Ihnen erstatten. Etwas schwieriger wird es, wenn Sie bereits am Urlaubsort angekommen sind.

Erfahren Sie erst an der Hotelrezeption von der Überbuchung, kommt es auf verschiedene Umstände an. Grundsätzlich haben Sie ein Recht auf eine Reisepreisminderung. Kann Ihnen im gebuchten Hotel kein Zimmer zur Verfügung gestellt werden, sehen die Gerichte darin einen Reisemangel, der eine Minderung zwischen 10 und 25 Prozent rechtfertigt. Dies gilt auch, wenn Ihnen ein gleichwertiges Hotel zur Verfügung gestellt wird. Ist das Ersatzhotel hingegen schlechter, können Sie auch eine höhere Minderung geltend machen. Eine Richtschnur finden Sie in der Frankfurter Tabelle.

Die Unterbringung in einem anderen Hotel kann auch ein erheblicher Mangel sein, bei dem Sie den Reisevertrag kündigen dürfen. Aber Vorsicht! Beispielsweise bei einem gleichwertigen Hotel kann Ihnen der Reiseveranstalter ausnahmsweise Treuwidrigkeit vorwerfen. Nach Ansicht des Bundesgerichtshofes greift dieser Einwand zumindest aber nicht bei einem minderwertigen Hotel.

In allen Fälle gilt: Zeigen Sie den Mangel schriftlich an. Auch wenn Sie dies etwas merkwürdig finden. Notieren Sie die Überbuchung schriftlich und informieren Sie Ihren Reiseveranstalter. Achten Sie darauf, keine Verzichtserklärung zu unterzeichnen. Dann können Sie nämlich keine Minderungsansprüche mehr geltend machen. Insbesondere bei einem schlechteren Hotel müssen Sie Beweise sammeln. Machen Sie Fotos, notieren Sie sich Name und Anschrift von Zeugen. Und halten Sie die Unterschiede zu dem ursprünglich gebuchten Hotel fest.

Sind Sie nach der Reise hoffentlich trotzdem einigermaßen erholt zu Hause angekommen, müssen Sie Ihre Ansprüche binnen eines Monats schriftlich beim Reiseveranstalter anmelden. Übrigens: Nehmen Sie den Umzug in ein andere Hotel in Kauf, kann Ihnen neben der Minderung auch eine Entschädigung und Schadensersatz für entgangene Urlaubszeit während des Umzugs zustehen.

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Tags: Reisemangel

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